In unserem ersten Teil, ging es darum, Informationen zu sammeln, um eine Vorstellung davon zu bekommen, welche Aufgaben und Probleme zu meistern sind. Heute geht es weiter mit der konkreten Planung der Hochzeitstorte: Wie groß muss sie sein? Wie konstruiere ich sie? Nach was soll sie schmecken?
Heute war das Brautpaar unser Gast, denn wir wollten unsere Checkliste finalisieren. Zu diesem Treffen gehört natürlich auch, dass wir wissen müssen, wie viele Etagen die Torte erhält und welche Füllung das Paar für ihre Torte möchte. Draus ergibt sich dann auch, wie die Torte konstruiert werden muss.
In unseren Fall sind es 20 Personen und die Torte soll zwei Etagen erhalten.

Wie groß müssen die Etagen sein?

Sicherlich gibt es dafür Rechenformeln. Ich vertraue jedoch auf mein Bauchgefühl und nutze folgende Anhaltspunkte:
1. Die “klassische Torte” mit 23cm Durchmesser und ca. 7cm Höhe hat, wenn man sie ganz normal schneidet, ca. 12 Stücken und eine Sahnefüllung.
2. Eine Hochzeitstorte ist jedoch viel gehaltvoller, so dass ein Stück von ca. 16cm Breite (Halber Durchmesser klassische Torte) und 7cm Höhe und 4cm Tiefe einfach zu groß ist.
In unserem Fall, wähle ich daher für die erste Etage einen Durchmesser von 25cm und eine Höhe von 9cm, aus dieser Torte kann ich bis zu 22 Stücke schneiden. Die zweite Etage hat 15cm Durchmesser und eine Höhe von 9cm. Aus dieser Etage erhalte ich 6 Stücken. Somit komme ich auf 22- 28 Stücken bei dieser Torte.

Zudem sollte man nicht nur denken, dass man eine Torte konzentrisch, also vom Rand zur Mitte hin, schneiden kann. Es ist durchaus möglich auch Quadratische Stücken zu schneiden.

25cm Durchmesser: Konzentrische Aufteilung
25cm Durchmesser: Konzentrische Aufteilung
25cm Durchmesser: Eckige Aufteilung
25cm Durchmesser: Eckige Aufteilung

Bei Unsicherheiten einfach mal die Grundfläche der Torte basteln und mit einem Lineal Linien ziehen. Dann bekommt man auch ein Gefühl für die Größe der Stücke und das Brautpaar hat gleich noch einen “Schneideplan” für die Torte.

Es sind mehrere Etagen. Wie mache ich das?

Die Konstruktion einer mehrstöckigen Torte ist doch ganz einfach: Torte übereinander schichten und fertig…NEIN! Das Gewicht würde die untere Torte zerquetschen!
Es gibt mehrere Möglichkeiten eine mehrstöckige Torte zu bauen. Die einfachste ist, die Torte zu dübeln.
Ihr braucht dazu ein paar Rundhölzer, eine Säge und Schmirgelpapier. Ja, das hört sich jetzt schon komisch an…
Die Vorgehensweise ist folgende: Sobald Ihr die unterste Etage der Torte fertig habt, steckt ihr eines der Rundhölzer hinein und markiert auf dem Rundholz die Tiefe der Torte. Dann übertragt ihr dieses Maß auf das restliche Rundholz.

Tortendübel herstellen
Tortendübel herstellen

Als Grundsatz gilt: je schwerer die Etage um so mehr Dübel müssen gesetzt werden. Bei unserer Torte reichen vier Dübel aus. Sägt also nun an den markierten Stellen Euer Rundholz und schleift mit dem Schmirgelpapier die Schnittkanten glatt. Die vier Dübel müssen nun gleichmäßig mittig auf die Fläche der nächsten Ebene verteilt werden.
Auf dem Schaubild ist die Fläche der nächsten Etage gestrichelt markiert.

Dübelplan
Dübelplan

Warum das alles eigentlich? Durch die Dübel wird das Gewicht der nächsten Etage auf die Tortenplatte übertragen und nicht auf die Torte selbst. Sie wird nicht gequetscht.
Um eine endgültige Stabilisierung zu erreichen, empfehle ich einen langen Dübel durch die gesamte Torte.
Als Tortenplatten für die einzelnen Etagen benutze ich Leichtschaum- Platten aus dem Kunsthandel. Sie haben eine feste Oberfläche und in der Mitte befindet sich Styropor. Diese Platte lässt sich gut zur Tortenplatte zurechtschneiden und auch mit einem langen Dübel durchstoßen.

Langer Dübel
Langer Dübel

Wir haben nun schon eine ganze Menge an Informationen und doch fehlt uns eine essentielle…

Wie soll die Torte schmecken und welchen Boden nehme ich ?

Auch bei diesem Thema gibt es einiges zu beachten. Das größte Problem: Der Geschmack des Brautpaares und die Gäste.
Wie wir schon im ersten Teil thematisiert haben, sollte jeder Gast ein Stück von der Torte erhalten. Ein Stück zu erhalten ist schon Mal geplant und toll, doch sollte es ihm auch schmecken. Das Brautpaar steht auf Marzipan, die Hälfte der Gäste verteufelt es. Nougat mag doch jeder?! Definitiv nicht…!
Bei einer Torte für viele Gäste sollte man sehr rücksichtsvoll vorgehen. Es sollte ein Geschmack gewählt werden, von dem man ausgehen kann, dass er dem größten Teil der Gäste schmeckt. Allen Gästen kann man es nicht recht machen.
Dennoch gilt auch hier: Die Entscheidung des Brautpaares ist Gesetz. Wenn das Brautpaar eine Marzipanfüllung will, dann  bekommt sie das auch.

Die beste Möglichkeit, das Brautpaar über seine Wünsche und Vorstellungen zu interviewen ist, es zu einem Kaffee einzuladen. Zu diesem Kaffee werden dann verschiedene Füllungen gereicht und die restlichen Einzelheiten besprochen. Für unseren Kaffee- Termin, haben wir folgende Füllungen vorbereitet:

Buttercremes Schokolade, Vanille, Tonkabohne mit Pfirsichstücken, Pfirsich-Maracuja
Fruchtcremes Erdbeere- Mascarpone, Zitronen- Quark- Creme
Kompositionen Schwarzwälder- Kirsch und Donauwelle
Ganache- Basis Marzipan
Fruchtfüllung Apfel- Zimt
Tortenfüllungen
Tortenfüllungen

Ihr solltet eine gute Auswahl anbieten: Schwere Cremes wie Buttercreme, Fruchtiges und auch Kombinationen. Natürlich solltet ihr nicht unbedingt Experimente veranstalten, die das Potential haben in die Hose zu gehen. Macht nur kleine Mengen, denn wer kann schon so ne Menge pure Creme vernaschen?
Unser Paar entschied sich für eine Fruchtcreme.
Nun geht es zur Auswahl des passenden Bodens. Hierbei sollte man die Eigenschaften der Böden kennen. Wir verwenden für unsere Torten drei verschiedene Böden:
Biskuitboden, Madeiraboden und Wunderkuchen- Tortenboden

Biskuit eignet sich für Torten mit einer luftigen Cremefüllung, sie krümeln aber leicht und sind nicht formstabil für größere Torten oder Motive.
Madeiraboden ist sehr gehaltvoll, schwer und schön mit Aromen zu tränken. Er ist für Motivtorten perfekt und krümelt kaum.
Wunderkuchen- Tortenboden ist genau der Mittelweg. Er ist gehaltvoll, formstabil, krümelt kaum und lässt sich gut aromatisieren. Noch dazu ist er nicht schwer.

Für die aktuelle Hochzeitstorte wird es daher ein Wunderkuchen- Tortenboden werden.

Das war es nun mit dem zweiten Teil und hier wäre nun auch Schluss. Jetzt liegt es letztlich an uns/ Euch was aus der Torte wird. Ihr habt nun alle Infos die Ihr benötigt um eine tolle Torte zu zaubern. Wir halten Euch über unsere Torte auf dem aktuellen Stand. Viel Spass bei Euren eigenen Planungen!

Wir freuen uns sehr über Kommentare und Fragen, also los!

Hier kommt Ihr zu TEIL 1 und weiter zum ABSCHLUSS


 

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