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Minikreuzfahrt von Amsterdam nach Newcastle
*Update 13. Juni *

1275 850 Kalorienpalast

Vor ein paar Jahren, haben wir uns auf einem Auktionsportal diverse kleine Schiffs-und Fährreisen ersteigert. Unsere Eindrücke damals waren sehr unterschiedlich. Was fast alle gemein hatten, war die Atmosphäre eines betagte Schiffes, dass aus Finanzgründen mal schnell zur Touristenfalle umgebaut wurde. Verpflegung an Board war eher Nebensache und manche Mensa, Kantine oder Kiosk war dagegen geradezu sternewürdig. Bei einigen Schiffen, bemerkte man sogar, dass bis vor kurzem wohl noch das Rauchen gestattet war. Alles war in einem „Raucherbeige“ gehalten. Das war 2013. Wir haben 2018 und waren auf der Suche nach einem schönen kleinen Trip für den Maiurlaub. So stolperten wir dann über einen Pressebericht von DFDS, der von einem neuen und innovativen Restaurantkonzept sprach. Gesagt getan, haben wir dann mal gebucht.Screenshot of Reservierungsdetails 11556495 Günstig ist so ein Trip wirklich nicht und das trotz Angebot. Wir haben als Kabine eine Aussenkabine gewählt, da diese ein Fenster besitzt und wir aus vorherigen Erfahrungen zu berichten wissen, dass sonst schnell das Gefühl der Enge aufkommen kann. Diese ist jedoch kein großer Preisunterschied zur günstigen Innenkabine. Doch dazu später mehr.

Minikreuzfahrt, alles mini?

Minikreuzfahrten folgen einem einfachen Schema: Abfahrt abends, Ankunft morgens, dann mehrere Stunden Aufenthalt am Reiseziel, Abfahrt abends und wieder Ankunft morgens im Heimathafen. Dazwischen viele Möglichkeiten zur Entschleunigung oder Beschleunigung, je nach Mentalität

Es begann mittags um 12 in Erftstadt. Geplante Reisezeit nach Ijmuiden, in der Nähe von Amsterdam, waren 3 Stunden. Es wurden 4,5 Stunden, dank Staus auf diversen Autobahnen und einem erzwungenem Halt aufgrund biologisch verständlicher Bedürfnisse. Angekommen, wurden wir direkt von der Dame am Check-In Schalter entschleunigt. In Ruhe und mit einem routiniert verständnisvollen Lächeln, erklärte sie kurz die weitere Vorgehensweise, druckte noch ein Parkticket aus und übergab uns die sehr wichtigen Boardtickets. Ohne diese Tickets scheint nichts an Board zu funktionieren, wie wir sehr oft noch feststellen durften.

Das Boarding ging sehr schnell. Der Zoll überprüfte die Ausweise, die Dame von DFDS die Boardkarten und dann waren wir auch schon auf dem Schiff.

Minikreuzfahrt Newcastle - DFDS - Kalorienpalast

Übersicht Kabine

Die Kabine konnten wir recht einfach finden, alles war  sehr gut beschildert und während des Boardings stehen überall helfende Hände zur Verfügung. Ein erstes Urlaubsfeeling stellt sich ein. Die Kabine war sehr übersichtlich, um es höflich auszudrücken. In NRW stehen jedem Inhaftierten 6qm zu. Die Kabine war auch etwa so groß, ist aber dabei für zwei Personen gedacht. Das hört sich jetzt drastisch an und ist es auch, wenn man sich nur in der Kabine aufhalten will. Das ist jedoch nicht Sinn der Sache.

Auf dem Schiff selbst, gibt es viele Angebote: Kino, Bingoabend, Live-Musik, Whisky-Tasting etc. In der Kabine zu sitzen ist also gar nicht notwendig. Ein Shop beglückt auch die einkaufswütigen Reisenden und ein eigener Bereich für die Kids, lässt auch Kinderherzen höher schlagen und alle Muttis und Vatis aufatmen.

Das Essen an Board

Um 19.15 war es dann soweit. Wir konnten essen gehen. Warum diese Uhrzeit? Wir haben sie vorher ausgewählt. Ohne ein Reservierungssystem würde nämlich das gesamte Verpflegungskonzept zusammenbrechen. Auf dem Schiff gibt es zwei Möglichkeiten sich verpflegen zu lassen. Das Buffet-Restaurant „Explorers Kitchen“ oder das À-la-carte-Restaurant „North Sea Bistro“. Preislich sind beide attraktiv: Das Buffet wird mit 29,95 Euro angeboten, das À-la-carte mit 34,95 Euro. Wenn das Buffet bei der Buchung gleich mitgebucht wird, dann wird es sogar noch gleich 10 Euro günstiger, also 19,95 Euro pro Person. Ein Kampfpreis für eine ordentliche Gastronomie.

Ankommen und Boardkarte vorzeigen, so dann wird man sehr höflich an seine Plätze geführt. Um uns herum brummt der Betrieb. Ein ordentlich eingedeckter 2-Personen-Tisch täuscht etwas darüber hinweg, das wir uns gerade in einem Kessel mit anscheinend völlig ausgehungerten Menschen befinden. Irgendjemand scheint ihnen gesagt zu haben, dass es bald nichts mehr geben wird, denn sie füllen ihre Teller mit architektonischem Talent. Der Inhalt des Buffets verwandelt sich auf den Tellern zu Bauwerken von schwindelerregender Höhe. Mehrfach zum Buffet zu gehen, scheint nicht mehr en vogue zu sein. Vorab haben wir uns darüber informiert, was uns erwartet. In der Pressemeldung , über die wir gestolpert waren, heißt es:

Im Büffetrestaurant „Explorer’s Kitchen“ haben Gäste die Wahl zwischen einer mediterranen, amerikanischen, asiatischen, vegetarischen und veganen Küche. Die Auswahl reicht dabei von Tapas, verschiedenen Burgern, Sushi, Pasta, Grillspezialitäten und frischen Salaten bis hin zu einer großen Dessertauswahl.

Vielfalt=viel Essen?

Überraschender Weise ist dem tatsächlich so. Besonders erwähnenswert, ist der „Neighbours“-Bereich, in dem Speisen aus Schottland, Deutschland, den Niederlanden und England angeboten werden. Klassisch wird alles auf Platten, in Töpfen und in Schüsseln etc. serviert und bereitgestellt. Insgesamt haben wir über 45 Speisenangebote gezählt. Doch leider wäre auch hier Qualität vor Quantität besser. Die Auswahl der Speisen ist ausgewogen zwischen frisch und Convenience, doch ist es einfach nicht möglich bei der benötigten Menge und der Geschwindigkeit eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten.

Schokobraune Schnitzel (immerhin vom Kalb), eiskaltes Brisket, und andere Schönheitsfehler etc. sind die Folge. Was wir angeboten bekamen, war insgesamt überrschend vielfältig aber dafür geschmacklich nur durchschnittlich und nicht besonders raffiniert oder anspruchsvoll.
Für ein Buffet dieser Vielfalt und mit dem erhobenen Anspruch an Qualität und Frische, kann ein Preis von 29,95 Euro gar nicht angemessen sein. Hier stimmt einfach das Gleichgewicht zwischen Angebot, Nachfrage und Preis nicht und das schlägt sich in der Qualität nieder. Gleiches Angebot, höherer Preis, weniger Gäste und die Küche hat Zeit, um Qualität zu produzieren.
Nach dem Essen gönnten wir uns etwas Ruhe auf Deck und verschwanden dann in unserer Kabine.

Chinatown und Grainger Market

Der Bustransfer nach Newcastle

Das Empfangskomitee

Nach einem typisch englischen Frühstück, packten wir unsere Sachen für den Ausflug nach Newcastle. Nach dem Anlegen standen hierfür schon Transferbusse in die Innenstadt bereit. Rund 5,5 Stunden Zeit hatten wir für die City.
Nach Chinatown mit seinem großen Tor, besuchten wir unter anderem auch den Grainger Market. Seit 1835 gibt es diesen Markt. Er ist so etwas, wie eine sehr frühe Form unserer heutigen großen Einkaufszentren. In seinen Hochzeiten beherbergten diese Hallen, mitten in der Innenstadt von Newcastle, 243 Läden und Marktstände. Die Hallen selbst haben 12 Eingänge. Heute sind es „nur“ noch 188 Geschäfte. Es ist eine skurille Mischung aus alt und neu.

Gegen Nachmittag ging es auch wieder per Bustransfer zurück auf das Schiff. Bei sonnigem Wetter und inzwischen gut 30 Grad, verließen wir den Hafen von Newcastle. Ein wirklich schöner Sonnenuntergang begleitete uns in den Abend.

Bitte warten!

Bei Livemusik und einem Cocktail trieben wir langsam Richtung Ijmuiden, welches wir auch pünktlich um 9.30 Uhr am nächsten Morgen erreichten.
Danach kam der für uns unangenehmste Teil der Reise: das von Board gehen. Es dauerte über 1,5 Stunden! Durch diverse Sicherheitsbestimmungen, ist es nur einer bestimmten Anzahl von Reisenden erlaubt in die Passkontrolle zu gehen. Keine Schuld von DFDS, sondern einfach Stau durch den Zoll. Ein anwesender Chor und viele der Passagiere sangen spontan einige Lieder, so dass auch dieses eigentliche Ärgernis entspannt aufgenommen wurde.

Eine kleine schöne Reise ging zu Ende. Wenn man sich bewusst ist, dass diese „Minikreuzfahrt“ auch tatsächlich nur mini ist, dann ist es ein richtig schöner Ausflug der auch Lust auf mehr macht. Zum Beispiel ein längerer Aufenthalt in Newcastle oder man nutzt die Fahrt als Ausgangspunkt für eine Reise durch Schottland.

Viele Fragen offen

Nachdenklich machte uns nur die Verpflegung an Board. Viele Fragen stellen sich: Die Menge an Lebensmitteln die benötigt wird und deren Preis und Qualität, der unnötige Abfall, ist ein Buffetkonzept überhaupt noch zeitgemäß. Viele Fragen, die wir sicher auch DFDS stellen werden. Wir lassen Euch die Antwort wissen!

Die Reise ist ein kurzes Abschalten vom Alltag und ein gute Möglichkeit auch mal das Handy auszulassen. Auf dem Meer sind die Roamingkosten unbezahlbar….

Wer es selbst ausprobieren möchte, findet viele Angebote im Netz. Wir sagen Schiff Ahoi und wünschen eine gute Reise!

** Update 13. Juni **

Wie wir Euch ja schon mitgeteilt hatten, haben wir noch ein paar Fragen von unserer Reise mitgebracht. Am 11. Mai haben wir die Fragen gestellt, nach rund einem Monat haben wir die Antworten erhalten:

Wie hoch ist der Verbrauch an Lebensmitteln während eines Tages?
„Das ist natürlich abhängig von der jeweiligen Auslastung des Schiffes, also völlig volatil.“

Wieviel davon muss am Ende des Tages entsorgt werden?
„Auch diese Frage lässt sich nicht in Größenordnungen kategorisieren. Wir haben aber ein natürliches Interesse daran, Verbrauch und Abfall auf ein Minimum zu halten.“

Gibt es ein Konzept der Abfallvermeidung in der Gastronomie?
„Indirekt. Unser Einkauf ist angehalten, die Produkte und Waren unter dem Aspekt einer Ausgewogenheit von Frische, Qualität, Haltbarkeit und Preis zu ordern. Das hat Auswirkungen auf Lagerung und Verpackungen.“

Bei der Vielzahl der verschieden Speisen, ist es kaum möglich alles zu probieren, was angeboten wird. Das ist schade und es stellt sich die Frage, welchen Sinn ein so vielfältiges Angebot hat?
„DFDS ist eine internationale Reederei, die von Reisenden unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen – auch im Verkehr mit Großbritannien – genutzt wird. Diesem Kundenkreis wollen wir mit einem möglichst vielfältigen Angebot, das für alle Reisenden in allen Segmenten etwas bietet, entgegenkommen.“

Nach welchen Kriterien findet die Rohstoffbeschaffung statt? Wird auf Nachhaltigkeit, saisonales Angebot, regionale Quellen oder biologischen Anbau geachtet?
„Unsere Lieferanten sind gehalten – siehe oben – , die Produkte und Waren unter dem Aspekt einer Ausgewogenheit von Frische, Qualität, Haltbarkeit und Preis zu ordern. Das hat Auswirkungen auf Lagerung und Verpackungen.“

Es gibt einen großen Preiskampf in der Gastronomie, da der Gast kaum noch bereit ist, Qualität angemessen zu bezahlen. Vergleichbare Angebote aus der Gastronomie liegen preislich meist wesentlich höher. Machen diese vielen Gastronomen etwas falsch? Wie schaffen Sie es, dieses vielfältige Angebot zum Preis von ca. 20 bzw. 30 Euro gewinnbringend, bzw. deckend zu kalkulieren?
Die individuelle Gastronomie hat gegenüber einem großen Player wie DFDS immer den Nachteil eines hohen Kostenfaktors durch Personal, Raumkosten und extrem schwankende, nicht kalkulierbare Gästezahlen. DFDS kann sein Restaurantangebot standardisiert anbieten, ohne Qualitätsverluste in Kauf nehmen zu müssen. Darüber hinaus erlauben die Fahrgastzahlen eine genauere Abschätzung des zu erwartenden Gästevolumens in der Restauration. Als Großeinkäufer kann DFDS natürlich auch zu anderen Konditionen einkaufen.“

Die Antworten überzeugen uns nicht wirklich. Was jedoch sehr ehrlich ist: Es wird weder mit der Nutzung von regionalen Lebensmitteln, noch mit Lebensmitteln aus biologischem Anbau geworben. Es wird eingekauft wie es jeder sparsame Mensch tun würde: Es muss appetitlich aussehen, schmecken und günstig sein. Woher es kommt und wie es entstanden ist, dass ist dem sparsamen Mensch egal. Der Preis steht im Vordergrund.
Sicherlich laden diese Antworten ein, noch viel weiter nachzuforschen und zu hinterfragen. Würde es etwas ändern? Sicher nicht. Solange wir nicht begreifen, dass die nachhaltige Erzeugung von guten und qualitativen Lebensmitteln auch Geld kostet und sich damit auch im Preis abbildet, wird es weiterhin solche Angebote geben.

Mark

Einfach kochen und backen kann ganz schön kompliziert sein. Ich liebe es mit wenigen Waren, einfache aber gute Gerichte zu zaubern. Ich mag starke Aromen und bin daher besonders für deftige Speisen und kräftige fruchtige oder schokoladige Patisserie zu haben. Zwischendurch bastele ich auch eine 3D oder Motivtorte. Neues auszuprobieren, seien es neue Geschmackserlebnisse, Techniken oder innovative Küchengeräte, finde ich wahnsinnig spannend. Ich liebe meine Kitchenaid und hasse jeden Thermomix

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Mark

Einfach kochen und backen kann ganz schön kompliziert sein. Ich liebe es mit wenigen Waren, einfache aber gute Gerichte zu zaubern. Ich mag starke Aromen und bin daher besonders für deftige Speisen und kräftige fruchtige oder schokoladige Patisserie zu haben. Zwischendurch bastele ich auch eine 3D oder Motivtorte. Neues auszuprobieren, seien es neue Geschmackserlebnisse, Techniken oder innovative Küchengeräte, finde ich wahnsinnig spannend. Ich liebe meine Kitchenaid und hasse jeden Thermomix

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