Wenn man sich mit französischer Küche beschäftigt, aber nicht über Sterneküche nachdenkt, dann wird man früher oder später auf Aurelie Bastian stoßen. Aurelie lebt seit über 10 Jahren in Deutschland und hat Ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Sie kocht französische Rezepte und teilt sie in ihrem Blog, bei Fernsehauftritten und in Ihren Koch- und Backbüchern.

Nachdem ihre ersten zwei Bücher sich mit Macarons bzw. Tartelettes beschäftigt haben, stellt Aurelie in ihrem dritten Buch ihre liebsten Klassiker aus der französischen Küche vor. Sie sieht das Buch aber nicht nur als Rezeptsammlung, sondern als Handbuch für die französische Küche.

Der erste Eindruck

Französisch kochen mit AurelieAuf dem Cover sieht man direkt, worum es gehen soll: “Französisch kochen mit Aurélie”. Die gebundene Ausgabe mit 170 Seiten ist gut verarbeitet und macht einen soliden Eindruck.
Alle 60 Rezepte sowie Texte und Fotos stammen von Aurelie. In der Gliederung der Rezepte erinnert das Buch stark an eine Speisekarte. (Vorspeisen, kleine Speisen, Geflügelgerichte, Fleischgerichte usw.)
Im Vorwort erklärt Aurelie warum die französische Küche für Sie so wichtig ist und was die Idee hinter ihrem Blog ist. Man erfährt, dass das Buch die Weiterführung dieser Ideen ist.

Der Inhalt

Bei den Rezepten fällt dieser Bezug direkt auf. Neben der französischen und deutschen Bezeichnung für jedes Gericht schreibt Aurelie wie auch in ihrem Blog ein paar persönliche Worte zu jedem Rezept. Sie geht darauf ein, wer aus Ihrer Familie dieses Gericht besonders mag, welche Besonderheit es mit den Zutaten auf sich hat oder welcher Wein dazu am besten passt.
Die Zutatenlisten sind sehr übersichtlich gestaltet und enthalten bis auf ganz wenige Ausnahmen nur Zutaten, die man auch in einem normalen Supermarkt in Deutschland bekommt. Die Zubereitung selbst ist in einem gewissen Erzähl-Stil gehalten. Aurelie fasst immer mehrere, für sie zusammenhängende Arbeitsschritte in einem Absatz zusammen.
Ergänzt werden die Rezepte meistens durch spezielle Tipps und die Fotos von Aurelie, deren Stil man bereits aus ihrem Blog kennt. Einige Rezepte enthalten sogar eine bebilderte Schritt für Schritt Anleitung. Was den Zeitbedarf für die Gerichte angeht, muss man ein wenig auf die Suche gehen. In den meisten Rezepten stehen unter der Zutatenliste lediglich die wichtigste Zubereitungszeit (Backen oder Kochen). Alle anderen Zeitangaben muss man im Rezept suchen. Eine Angabe zur Vorbereitungszeit fehlt ganz.

Im Anschluss an die Rezepte gibt Aurelie im Buch noch Tipps, Tricks, Infos und Übersichtstabellen mit auf den Weg. Sie geht auf einige Küchenbegriffe ein und erklärt französische Besonderheiten. Dabei geht Sie zum Beispiel auf französische Lebensmittel ein und was man stattdessen in Deutschland dafür verwenden kann. Auch wenn das für dieses Buch nicht relevant ist, da Aurelie in Ihren Rezepten bereits an ein deutsches Lebensmittelangebot angepasst hat, so ist es dennoch hilfreich wenn man französische Rezepte zubereiten möchte, die nicht angepasst sind.

Coq au vin

Zum Nachkochen habe ich mir aus den vielen Rezepten den Coq au vin ausgesucht. In der Rezeptbeschreibung liest es sich relativ einfach. Die Kochzeit ist mit 90 Minuten angegeben. Aurelie schreibt, dass sie den Coq au vin gern mit Bratkartoffeln isst. So möchte ich ihn auch zubereiten. Vielleicht sind ja Bratkartoffeln in Frankreich ein wenig anders.
Leider fehlen im Kochbuch die passenden Beilagen. Das ist aber nicht schlimm. Ich gehe auf die Suche nach einem passenden Rezept auf ihrem Blog. So richtig fündig werde ich dort aber auch nicht.

Coq au vin - französisch kochen mit AurelieAllerdings sehe ich auf dem Blog, dass Aurelie den Coq au vin hier anders zubereitet. Ich bleibe bei der Version aus dem Buch. Da ich lieber mit Schritt für Schritt-Rezepten arbeiten, habe ich mir als erstes einen “Schlachtplan” geschrieben.
Ich habe mich dann genau an die Zubereitungsschritte gehalten. Bis ich dann alle Zutaten bereit gestellt, vorbereitet, geputzt und angebraten hatte, so dass die angegebene Kochzeit lief, war eine Dreiviertelstunde um. Der Coq au vin war tatsächlich sehr lecker und so einfach in der Zubereitung, wie ich von der Beschreibung erwartet habe.  Allerdings hat das Rezept im Buch suggeriert, dass es schneller gehen würde.

Schmöckern oder kochen?

Das Buch ist schön und mit einer persönlichen Note gestaltet. Durch den an den Blog angelehnten Stil lädt das Buch zum Schmökern ein. Aurelie hat eine unterhaltsame Art zu schreiben. Beim Lesen hat man ein bisschen das Gefühl, als ob man ihr beim Kochen über die Schulter schaut und sie die Zubereitung beschreibt.
Allerdings finde ich den Erzählstil bei der praktischen Umsetzung von Rezepten gewöhnungsbedürftig. Was die Kochpraxis angeht, würde ich die Rezepte erst einmal in einzelne Schritte zerlegen, um während des Kochens nicht immer wieder schauen und suchen zu müssen, ob nicht etwas vergessen wurde. Das Buch eignet sich meiner Meinung nach prima, um Ideen und Anregungen zu finden. Aber es ist nicht das Buch, was ich beim Kochen neben dem Herd liegen haben würden. Aurelie setzt bei ihren Zubereitungsschritten insbesondere vieles, was mit Vorbereitung zu tun hat, voraus. Wenn man nicht aufpasst, vergisst man, dass ein Ofen ja vorgeheizt werden muss oder dass Gemüse vorher geputzt werden sollte.

Beim Abschätzen des Zeitbedarfs und bei der Planung der Arbeitsschritte sollte man etwas ähnliches schon einmal in der Küche zubereitet haben. Auch wenn sich das Buch an alle richtet, die französisch kochen wollen, denken wir, dass es Hobbyköche mit ein klein wenig Erfahrung leichter haben werden, die Rezepte umzusetzen.

Coq au vin mit Bratkartoffeln - französisch kochen mit Aurelie

Der informative Teil im Anschluß an die Rezepte ist sehr hilfreich, wenn man sich über das Buch hinausgehend mit der französischen Küche beschäftigen möchte. Aber für ein Handbuch der französischen Küche, wurde diesem Teil mit 6 Seiten aber eindeutig zu wenig Raum gegeben.

Erhältlich ist das Buch im Verlag Bassermann Inspiration, ISBN 978-3572081936.
Eine Leseprobe könnt ihr euch hier ansehen.
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