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Grillfleisch

Fleisch vom Versandmetzger

1500 948 Kalorienpalast

Es gibt im Internet nichts, was es nicht gibt. Das wird besonders deutlich, wenn man zu einem bestimmten Thema recherchiert. Da wir uns in diesem Jahr mit dem Thema Grillen beschäftigen, liegt es natürlich nahe, auch mal über den Einkauf von Fleisch nachzudenken. Qualitäts- und Preisunterschiede sind riesig und vom Marktstand über den Supermarkt bis hin zu Online-Shops ist die Bandbreite der Bezugsmöglichkeiten schier unüberschaubar. Ein besonderer Trend, der nicht unbedingt unsere Zustimmung findet, ist der Einkauf von Lebensmitteln online mit Lieferung durch den Paketdienst.

Bei unserem Test haben wir aber bewusst auf kleinere Versand-Metzgereien geschaut, um zu zeigen, dass der Onlinehandel nicht immer nur mit großen Firmen zu tun hat, sondern durchaus auch eine Chance für kleinere Firmen bietet. Eigentlich dachten wir sogar, dass wir einzelne Firmen empfehlen können. Leider ist es anders gekommen. Wir haben uns im Verlauf unseres Tests entschieden, die Firmen gar nicht zu nennen.

Gesagt getan, wir haben bei 4 mittelständischen Versandmetzgereien im gesamten Bundesgebiet Bestellungen aufgegeben. Uns ging es primär um die Abwicklung des Bestellvorgangs, die Versanddauer und den Zustand der Ware,  wenn sie bei uns eintrifft.

Der Bestellvorgang

Das ist der einfachste Teil. Wer schon einmal im Internet etwas eingekauft hat, wird hier keine größeren Überraschungen erleben. Es wird ein Kundenkonto angelegt, die einzelnen Artikel wandern in den Warenkorb und am Ende hat man je nach Shop die Wahl zwischen mehr oder weniger verschiedenen Zahlungsmethoden.

Die Lieferung

Als Versanddauer werden in der Regel 48 Stunden angegeben. Manche Shops geben  sogar 72 Stunden an. Wir warteten also. Versendet wurde mit DHL bzw. UPS. Die meisten Shops lieferten innerhalb von 24 Stunden. Bei einem hat es zwei Tage gedauert. Bis hier hin ist also alles im grünen Bereich. Aber beim äußeren Zustand der Pakete gab es die ersten Punktabzüge. Drei der 4 Pakete kamen in äußerlich tadellosem Zustand bei uns an. Eins der Pakete tropfte. Es war zwar nur Wasser, aber der Paketbote schaute trotzdem irritiert.

Bei den verwendeten Verpackungen fing es an spannend zu werden. Das Fleisch selbst war von jedem Händler vacuum-verpackt und etikettiert. In jedem Paket lagen auch zusätzliche Kühlakkus.  Was den Versandkarton angeht und die Art der Kühlakkus, hat jeder Händler sein eigenes System. Drei Händler versenden im Pappkarton, davon zwei innen dick (>2 cm) mit Styropor ausgekleidet. Das dritte Papp-Paket kam mit einer Isolierung aus aluminiumverstärkter Luftpolsterfolie. Das vierte Paket bestand aus aluminiumverstärktem Hartschaum, ohne weitere Isolierung.

Bei den Kühlakkus reichte die Bandbreite von selbst hergestellten Akkus mit Gelfüllung über kommerzielle Gelpacks bis hin zu einer Variante bei denen sich kleine Kissen mit Wasser voll saugen, ein Gel bilden und dann als Kühlakkus verwendet werden. Das waren die einzigen, die sich außen nass anfühlten, weil sie ja auch nicht versiegelt sind. Ware und Kühlakkus lagen je nach Paketgröße mehr oder weniger weit auseinander. Nur bei einem Versender wurde Papier als Füllmaterial eingesetzt, um alles zusammen zu halten.

Zustand vom Fleisch

Bis hier hin war unser Eindruck noch ein ganz guter. Es gab isolierte Pakete, Kühlakkus und gut verpackte Ware. Aber als wir die ersten Stücken Fleisch auf dem Paket nahmen, erschien es uns nicht so kalt, wie es eigentlich sein sollte. Auf den meisten Etiketten war eine Lagertemperatur von maximal 7°C angegeben. Auf einem Etikett fehlte die Temperaturangabe. Ein Händler gab 2-5°C an. Vom Gesetzgeber sind maximal 7°C vorgesehen, um leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch zu lagern.
Da eine gefühlte Temperatur natürlich gar nichts aussagt, haben wir bei allen Stücken die Kerntemperatur gemessen. Ja, heute wird es streng wissenschaftlich im Kalorienpalast. Die Temperaturen lagen bei allen Lieferungen zwischen 15°C und 17°C.  Was nun?

Zuerst haben wir an unserem Thermometer gezweifelt. Es ist immerhin nur ein Küchenthermometer. Getestet mit anderen Thermometern zeigte sich aber, dass das Thermometer mit +/- 1°C Abweichung genau sein musste. Damit war es für einen Test unter Haushaltsbedingungen durchaus geeignet.

Ab jetzt kam dann ein neuer Aspekt in unserem Test hinzu:

Der Umgang mit Reklamationen

Wir haben alle Firmen angeschrieben, um ein ausgewogenes Bild zu zeigen und ihnen die Möglichkeit einer Stellungnahme zu geben. Drei Firmen antworten prompt. Eine Firma antwortete am nächsten Tag. Zusammengefasst kann man sagen, dass alle Firmen überrascht waren und den Temperaturanstieg nicht nachvollziehen können. Zwei der Firmen baten um Rücksendung der Ware. Eine Firma hat die Ware anstandslos erstattet. Insgesamt war aus den Antworten zu lesen, dass dem Metzgern die Qualität Ihrer Produkte am Herzen liegt.

Die Erkenntnis aus dem Test

Das Ergebnis ist durchwachsen. Bestellung und Versand funktionieren reibungslos. Aber spätestens bei dem Punkt Temperatur, zeigt sich, dass Fleischkauf Vertrauenssache ist. Durch den Versand mit DHL und UPS haben weder der Metzger noch die Kunden irgendeine Kontrolle über die Lagerung des Fleisch auf dem Versandweg. Alle Metzger haben gesagt, dass das Fleisch die Metzgerei mit einer Temperatur von -2 bis +2°C verlassen hat. Wo und wann die Temperatur angestiegen ist und damit auch wie lange die Temperatur bei 15°C war oder ob sie zwischendurch nicht sogar noch höher lag, kann niemand sagen.
An den Versandtagen unserer Pakete hatten wir übrigens normale Außen-Temperaturen für ein Frühjahr. Wie wäre unser Test wohl im Sommer ausgefallen?

Unser Fazit: Das Problem mit den Temperaturen scheint ein generelles Problem zu sein. Wir wollten nicht unfair sein und die vier Metzger unseres Tests als schwarze Schafe darstellen. Deshalb verzichten wir auf die Nennung der Firmen. Als positiv ist sogar bei allen getesteten Metzgern der Umgang mit der Reklamation hervorzuheben, wobei das ursprünglich gar nicht das Ziel des Tests war.
Grundsätzlich empfehlen wir Euch, dass Ihr beim lokalen Metzger Eures Vertrauens vor Ort kauft! Wir können den Online-Versand von Fleisch nicht empfehlen.

 

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Timo

Ich mag die Herausforderung und probiere mich deshalb besonders an französischem Feingebäck und der Patisserie allgemein. Das muss nicht immer gut gehen. Das Spiel mit Aromen reizt mich sehr und so verirrt sich auch mal Kürbiskernöl und Pfeffer in ein Gebäck, Lavendel in eine Eiscreme oder Thymian in die Marmelade. Für mich muss eine Speise schön angerichtet sein, jedoch nicht zum Kunstwerk stilisieren. Food setze ich gerne in rechte Licht und verewige es digital. Je nach Ergebnis ist das gar nicht so einfach…

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Ich mag die Herausforderung und probiere mich deshalb besonders an französischem Feingebäck und der Patisserie allgemein. Das muss nicht immer gut gehen. Das Spiel mit Aromen reizt mich sehr und so verirrt sich auch mal Kürbiskernöl und Pfeffer in ein Gebäck, Lavendel in eine Eiscreme oder Thymian in die Marmelade. Für mich muss eine Speise schön angerichtet sein, jedoch nicht zum Kunstwerk stilisieren. Food setze ich gerne in rechte Licht und verewige es digital. Je nach Ergebnis ist das gar nicht so einfach…

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