50 Jahre Stonewall Riot – 28 Jahre Colognepride

6. Juli 2019.Mark

In New York fing 1969 alles an. Doch Schwule und Lesben in Deutschland brauchten noch zehn Jahre, bis sie sich selbstbewusst auf die Straße trauten. Heute ist der Christopher-Street-Day (CSD) eine große, bunte Party.

Aus dem tiefen Süden der USA war Perry Brass kurz vor seinem 19. Geburtstag nach New York gekommen. Es war das Jahr 1966 – eine Zeit, als im ganzen Land die Proteste gegen den Vietnamkrieg tobten und die Hippiebewegung Sex, Drugs & Rock ´n´ Roll propagierte. Es tat sich etwas in der Gesellschaft. Doch die Homosexuellen profitierten kaum von dem neuen Zeitgeist. Nur die wenigsten lebten offen. Wer sich in den Großstädten überhaupt in die einschlägigen Bars traute, musste stets damit rechnen, bei einer der regelmäßigen Razzien verhaftet zu werden. Die Polizei setzte sogar Lockvögel ein, um schwule Männer auf frischer Tat ertappen und danach wegen Prostitution anklagen zu können. “Die Dinge standen wirklich schlecht”, erinnert sich Brass. “Es war die Zeit der freien Liebe, und wir fragten uns: Hey, was ist mit unserer Liebe?”

Doch dann kommt der 28. Juni 1969 und verändert alles. Zum ersten Mal widersetzen sich Homosexuelle einer Polizei-Razzia in einer Schwulenbar: dem “Stonewall Inn” in der Christopher Street in New York City. Es ist ein gewaltsamer Tag. Aber zugleich ist es der Auftakt zu einer der größten Emanzipationsbewegungen – nicht nur in der Geschichte der USA.

Als Perry Brass in den Morgenstunden des 28. Juni vor dem “Stonewall Inn” eintrifft, nähert sich der gewaltsame Aufstand gegen die Razzia bereits seinem Höhepunkt. “Die Stimmung war aufgeheizt”, erzählt Brass. “Überall waren Polizisten, aber die Leute ließen sich nicht einschüchtern.” Sprechchöre schallen durch die Straßen: “Gay Power, Gay Power!” Draußen bewerfen Demonstranten die Polizisten mit allem, was sie in die Finger bekommen, erinnert sich Brass. In der Bar selbst haben sich acht Polizisten verbarrikadiert. Die aufgebrachten Lesben, Schwulen und Transvestiten auf der Straße versuchen, die Tür mit Mülltonnen und einer aus dem Fundament gebrochenen Parkuhr aufzurammen. Sogar anzünden wollen sie den Laden. Erst einer Spezialeinheit der Polizei gelingt es schließlich, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Zumindest kurzzeitig, denn in der folgenden Nacht branden die Proteste von neuem auf. Perry Brass: “Über die Jahre hatte sich in der Community ein ziemlicher Ärger aufgestaut. Und der entlud sich jetzt mit voller Wucht.”

Sofort nach den Stonewall-Unruhen gründeten sich erste politische Gruppierungen wie die Gay Liberation Front und forderten Toleranz und mehr Rechte ein. Zahlreiche Medien widmeten sich dem Thema und gaben Schwulen und Lesben in der Öffentlichkeit ein Gesicht. Zwar fanden weiterhin Polizei-Razzien statt, doch die Homosexuellen nahmen diese längst nicht mehr so schamhaft und stillschweigend hin wie zuvor. Genau ein Jahr nach dem Stonewall-Aufstand kamen 1970 im New Yorker West Village rund 4.000 Homosexuelle zusammen, um an das Ereignis mit einer großen Demonstration zu erinnern. Diesem Beispiel folgten in den kommenden Jahren Schwule und Lesben in vielen Städten in den USA und Europa. Die “Befreiung” der Christopher Street gilt heute weltweit als Beginn der Schwulenbewegung. (Quelle: bpb.de -Geschichte des CSD)

Dieses Jahr findet die 28. Parade in Köln am morgigen 7. Juli 2019 statt.
50 Jahre nach dem Aufstand im Stonewall Inn.

Bild: Klust e.V.

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Kategorien: Aus dem Palast
Schlagworte: #2019, #CSD, #Stonewall inn
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